Was wird nun aus MySQL?

Das Monty Widenius Sun verlässt, ist ja fast schon ein alter Hut. Zu behäbig sei der Branchen-Riese, und scheinbar scheint es auch einige Diskussionen über die Freigabe von MySQL 5.1 gegeben zu haben. Monty hielt den Zeitpunkt der Herausgabe verfrüht und entsprechend scheint es noch die eine oder andere Unstimmigkeit in MySQL zu geben, die eigentlich hätte behoben sein sollen.

Größtes Manko von MySQL ist nach wie vor, dass die MyIsam-Tabellen keine Transaktionen beherrschen. Es gab zum einen BerkeleyDB, und zum anderen InnoDB. Beide Datenbanken wurden von Oracle gekauft, MySQL hat bei beiden Datenbanken angekündigt, diese eventuell aus der Distribution zu entfernen. Zumindest bei BerkeleyDB ist dies mit Version 5.1.12 schon passiert. Bei InnoDB scheint es jedoch Verträge zu geben, die eine eventuelle Weiterbenutzung durch MySQL absichern.

Wie man es jedoch dreht und wendet: MySQL kann nativ keine Transaktionen. Und genau da kam Falcon ins Spiel – angekündigt für Version 6 von MySQL. Der Chef-Architekt verließ MySQL Mitte 2008. Was daraus wird, weiß man nicht genau, in der Alpha von MySQL 6 ist es zumindest drin. Und es gab Maria – von Monty höchstselbst – und als Ersatz für die MyIsam-Tabellen gedacht. Maria soll robuster sein als MyIsam – vor allem gegenüber Stromausfällen.

Nun scheint es aber so, dass Maria zusammen mit Monty Sun verlassen hat. Inzwischen wurde nämlich die Monty Program AB gegründet, die nicht nur die Entwicklung von MariaDB übernommen, sondern als erste Amtseinführung einen eigenen Fork von MySQL angekündigt hat. Ferner wurde verkündet das „Maria aus Anwendersicht kompatibel mit MySQL bleiben soll“. Was soviel heißt wie: unterschiedliche Codebase. Es ist derzeit wohl fraglich inwiefern Monty weiter Patches zu MySQL beisteuern wird, ich denke mal eher nicht mehr. Auch fraglich ist, wie weit Maria und MySQL auseinander laufen. Monty hat zwar angekündigt, neue Entwicklungen von MySQL in Maria einzuarbeiten, gleichzeitig will er in Maria aber auch alte MySQL-Bugs beheben. Ferner soll die Codebasis übersichtlicher werden, was wohl einem kompletten Refactoring gleichkommen wird.

Der Anwender an sich hat jetzt natürlich ein Problem: Soll er weiter auf MySQL setzen, oder wird sich Maria durchsetzen? Es ist fraglich, wie viel Innovationskraft hinter MySQL zukünftig ohne Monty stecken wird, und auch fraglich ist, ob Maria sich überhaupt durchsetzen wird. Mir ist auch nicht klar, ob Maria nun in MySQL die MyIsam-Tabellen ersetzen wird, oder nicht. Und auch nicht klar ist mir, ob Falcon letztendlich in Maria landen wird. Das etwas schief läuft dürfte nun klar sein, und vielleicht ist Drizzle der lachende Dritte. Der Fork von MySQL 6 existiert schon seit einiger Zeit und hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine abgespeckte Version von MySQL speziell für Webanwendungen zu werden. Die Chance hierfür dürfte allerdings ziemlich gering sein …

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