Plädoyer pro WordPress

Vor einigen Jahren wurde mir von einem Vertreter eines großen deutschen Verlages gesagt, dass die deutsche Presse selbst dann ein Haar in der Suppe finden würde, wenn der Mond aus purem Gold bestehen würde. Dieses Bashing bzw. Negativ-Journalismus, wie ich es mal nett formuliere, scheint sich durchgesetzt zu haben. Auch nett ist das immer wieder statt findende künstliche Pushen von vermeintlichen Stars, nur um sie dann wieder zu zerstören.

Es geht doch nichts über den wieder auferstandenen Helden! Dummerweise habe ich in den letzten Tagen das Gefühl, das beim Thema WordPress den Blog-Betreibern (und auch den Herren vom Print) erheblich das Pferd durchgeht. Vor allem wenn es das PHP-Magazin schafft, das Ganze noch mit Bibel-Zitaten zu verfeinern frage ich mich schon, wo ich gelandet bin!

Zunächst sei erstmal eins vermerkt: Macht es doch selbst besser! Und zum anderen wundert es mich auch, das genau die Leute über WordPress herziehen, die zwei Blogs weiter äußern, dass sie kaum die neuen Features der Version 2.9 abwarten können! WordPress ist inzwischen ziemlich groß und mächtig, und die gefundenen Fehler sind jetzt nicht unbedingt so gewesen, dass bei Ausnutzung die Festplatten des Providers gelöscht worden wären!

WordPress ist von Menschen gemacht worden, und bei einem Projekt in solchen Dimensionen ist es fast unmöglich, alle Eventualitäten abzudecken. Wer ein System hacken will, schafft das in der Regel immer. Hinzu kommt die Erkenntnis, dass kein Mensch irgendwas in Richtung Sicherheit unternimmt, und gut gemeinte Ratschläge frei nach einem „mir passiert schon nichts“ ignoriert werden.

Es steht jedem frei bei WordPress mitzumachen, statt zu motzen, aber motzen ist einfacher …

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4 Antworten auf „Plädoyer pro WordPress“

  1. Eine interessante Erklärung, danke dafür Herr Neumeier. Das Problem passt genauso gut auf kleine Blogger. Wenn ich gutes über ein Produkt schreibe, stinkt es nach bezahltem Posting. Empfehlungen sind immer eine zweischneidige Sache.

    Die Negativ-Presse ist aus meiner Sicht (nach längerer Zeit in den USA) ein europäisches Problem, nicht unbedingt ein deutsches – in der UK Presse ist das übrigens nichts anderes. Den Zwang „möglichst kritisch“ sein zu müssen, um glaubwürdig zu bleiben – so wie Sie es erklären, konnte ich in US-Magazinen nicht erkennen, dort scheint es dieses Dilemma so nicht zu geben, was vermutlich an einer allgemein unverkrampfteren Einstellung zur Werbung und Kommerz liegt.

    Dem Plädoyer für WP schliesse ich mich an.

    Ach und wo Sie die Internet Professional erwähnen, da werd ich ja als ehemaliger Abonnent ganz nostalgisch. Irgendwo muss ich noch ein paar alte Ausgaben im Keller haben ;)

  2. Ein paar Worte dazu von mir als „Herr vom Print“ = Internet Magazin ;-)

    Vollkommen einverstanden, auf so geniale Projekte wie WordPress einzuhacken, tut den Entwicklern zu Recht sehr weh und wird dem gesamten Projekt sicherlich nicht gerecht.

    Aber als Print-Leute haben wir auf der anderen Seite auch mit einem anderen Problem zu kämpfen, das sich in diesem Zusammenhang kaum lösen läßt: Als kommerzielle Produkte, also ohne den über alle Zweifel erhabenen Nimbus der selbstlosen Open-Source (nicht ironisch gemeint!), sind wir bei den Lesern immer dem Verdacht ausgesetzt, „eh‘ immer nur Werbung zu machen und den Anzeigenkunden nach der Nase zu schreiben“. Zahlreiche Leserbriefe zeugen leider davon, dass viele Leser uns nicht vertrauen, wenn wir Positives schreiben. Generalverdacht: Immer wenn etwas positiv beschrieben wird, hat bestimmt der Hersteller/Anbieter dafür bezahlt. Bei manchen Medien stimmt das leider sogar und in schlechten Zeiten wird der Druck in diese Richtung auch größer. Denn natürlich sind wir als kommerzielle Produkte auf Anzeigen-Einnahmen angewiesen, keine Frage. Ein ständiger Balance-Akt also.

    Wie kommt man aus diesem Dilema heraus? Unter anderem, indem man dem Leser ständig zu beweisen versucht, wie unabhängig, neutral und nicht-Anzeigenkunden-abhängig man ist. Man kritisiert und schreibt negativ über alles, was auch nur vorsichtigen Anlass zu Kritik gibt. Und so traurig es ist, es funktioniert: Die überkritischen Leser verstummen und nehmen der Redaktion für eine Zeit lang wieder ab, dass sie unabhängig und neutral ist.

    Ohne die genauen Umstände des PHP-Journal-Artikels zu kennen (den Du ja glaube ich auch nur exemplarisch angeführt hast), sieht man daran eben wohl das Ergebnis dieses Dilemas. Das sind dann – allgemein gesprochen – die Situationen, in denen der Balance-Akt misslungen ist.

    Freude hat man daran als Zeitschriften-Macher ganz sicher nicht. Denn auch auf unserer Seite sitzen nur Menschen, die eigentlich nichts anderes wollen, als die Leser mit erstklassigen und gut recherchierten Stories und Workshops zu versorgen. Da unterscheiden wir uns in der Motivation und im Anspruch gar nicht von den Entwicklern einer Open-Source-Lösung. So wie sich Bugs in Software nicht vermeiden lassen, läuft auch in einer Zeitschriften-Redaktion nicht immer alles perfekt nach Plan ;-)

    Franz Neumeier
    Chefredakteur Internet Magazin (selbiges nicht im selben Verlag erscheint wie das PHP Journal, aber von einem exzellenten Kollegen gemacht wird – Max Bold, mit dem ich die Ehre hatte, jahrelang bei der Internet Professionell zusammenarbeiten zu dürfen).

  3. Ich gebe dir vollkommen recht. Dass WordPress immer noch frei verfügbar und kostenlos ist, ist ein großes Wunder, da es mittlerweile eine riesen Reichweite hat. Die zig Updates in den letzten Tagen sollte man nicht als negativ ansehen – eher umgekehrt. Es ist doch wohl astrein, dass die Leute auf Sicherheitslücken so schnell mit Fixes reagieren…

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