Interview mit Nils Langner von phphatesme.com

Zugegebenermaßen lese ich meistens nur dann PHP-Blogs, wenn ich vor einem Problem stehe. Phphatesme.com macht da allerdings eine Ausnahme, da ich fast jeden Beitrag lese. Zum einen geht es hier auch um das Thema Entwurfsmuster, zum anderen ab und an auch um Projektmanagement. Beides sind Themen, die ein seriöser PHP-Programmierer von heute verinnerlichen muss, um zukünftig bestehen können. Genau dies ist das Alleinstellungsmerkmal, das man benötigt hat. Die Zeiten, in denen der Sohn eines Nachbarn mit PHP sinnvoll Webseiten umsetzen konnte, sollten vorbei sein. OOP, Entwurfsmuster und Projektmanagement sind kein nettes Addon zu PHP, sondern Pflicht! Nils Langner war diesbzgl. ein interessanter Gesprächspartner, aber lest selbst.

Screenshot von phphatesme.com

Bitte stelle dich und dein Blog „phphatesme.com“ meinen Lesern vor.

Fangen wir doch erstmal mit dem Blog an. Unter www.phphatesme.com findet ihr einen Weblog, der sich sich hauptsächlich mit dem Thema Webentwicklung und dort im speziellen mit PHP beschäftigt. Da wir das ganze jetzt seit über einem Jahr betreiben haben wir unser Angebot ein wenig erweitert und auch Artikel zu den Themen Projektmanagement erweitert. Es sollte also für jeden Fall dabei sein.
Soviel erstmal zum Blog. Jetzt noch ein wenig über mich, wobei es da nicht so viel Interessantes zu sagen gibt, glaube ich. Mein Name ist Nils Langner und ich entwickle jetzt seit fast einem Jahrzehnt Software für das Internet. Begonnen als Hobby neben meinem Studium der Informatik, als ich es dann abgeschlossen hatte, bin ich zu Nero gekommen und wurde da Teamleiter Intranet Systems. War also zusammen mit meinem Team verantwortlich für die internen Systeme. Nach meinem Abstecher beim Brennprogrammhersteller hat es mich dann in den Norden getrieben, wo ich momentan bei Europas größten Verlag im Qualitätsmanagement für Online Systeme arbeite.

Wie kam es auf die Idee zu diesem Blog, und wie sahen die Anfänge aus?

Die Idee, die hinter dem Blog steht oder besser stand ist wohl am einfachsten mit seinem Namen beschrieben. PHP hates me! Ich wollte meine täglichen Erfahrungen mit PHP aufschreiben und immer wenn mich mal wieder etwas gestört hat – und das war gar nicht so selten – darüber berichten. Ziel war es auch mein Wissen zu archivieren, damit ich immer darauf zugreifen kann. Irgendwie viel mir das Schreiben von Anfang an relativ einfach und die ersten Wochen hatte ich jeden Tag einen Artikel. Da wurde schnell klar, dass dies das Alleinstellungsmerkmal von phphatesme.com sein sollte: Jeden Tag einen neuen Artikel. Was damals als hoch gestecktes Ziel begann ist jetzt seit fast einem Jahr Wirklichkeit. 350+ Artikel sind derzeit online.
Anfänglich war es natürlich eine komische Situation. Jeden Tag einen Artikel, aber keine bzw. kaum Leser. Bloggen für 10 Leute macht nicht so viel Spaß. Ich hatte aber ziemlich schnell Glück, dass diverse Webseiten auf den Blog aufmerksam wurden, und wir ziemlich schnell von tollen Seiten wir dem PHP Magazin oder t3n verlinkt wurden.
Mittlerweile haben wir 1.500 Leser täglich, und über 20 Co-Autoren, die mich ab und zu unterstützen. Es hat sich also gelohnt. Wir sind zwar noch weit entfernt davon, mit dem Blog Geld zu verdienen, aber da geht es auch nicht drum.

Inzwischen schreibst du auch für das PHP-Magazin, wie kam es dazu und hat es die Popularität des Blogs gesteigert?

Wie es dazu kam ist einfach. Ich hatte von Beginn an immer mal wieder große Namen aus der PHP Szene interviewet. Darunter sind Experten wie Sebastian Bergmann, Lars Jankowsky und Johannes Schlüter zu finden. Natürlich aber auch ein Interview mit Björn Schotte. Björn ist Geschäftsführer bei Mayflower, Head of Chair bei der PHP Conference und eben auch Chefredakteur beim PHP Magazin. Björn wusste also, dass ich gerne interviewe und da er eine ähnliche Kolumne gerne im Magazin sehen wollte, hat er einfach angefragt. Da die Leserschaft des PHP Magazins noch ein wenig größer ist als meine, habe ich natürlich sofort zugesagt. Die Interviews sind auch eine tolle Gelegenheit mit den ganzen Gurus aus der Community ins Gespräch zu kommen und ich muss sagen, bis jetzt waren sie alle sehr sympathisch. Hätte ich so nicht erwartet.
In der nächsten Ausgabe des PHP Magazins wird es wohl auch einen „richtigen“ Artikel von mir geben. Dazu aber mehr, wenn ich ihn fertig habe.

Dein Blog hebt sich von anderen stark ab, weil du PHP im Enterprise-Bereich siehst und ihm somit einen professionellen Einsatz zutraust. Dies ist zurzeit ein Bereich, der eigentlich von Java dominiert wird. Wie kam es dazu und in welchem Umfeld benutzt du PHP?

Ich bin ein großer Fan von Java. Habe ich das gerade laut gesagt? Was ich aber an Java gar nicht mag, ist der Overhead, mit dem ich zu kämpfen habe, wenn ich damit Applikationen für das Internet entwickeln will. Ich finde Joel Spolsky hat es mal fast perfekt in seinem Artikel „Why I hate frameworks“ ausgedrückt . Java fällt also für mich flach. Viele Dinge, die ich an Java und vielen anderen objektorientierten Programmiersprachen liebe, findet man in PHP wieder, deswegen ist dies auch die Sprache meiner Wahl geworden.
Das man PHP nicht im Enterprise Umfeld verwenden sollte, halte ich absolut für ein Gerücht. Wenn man mal mit Leuten redet, die solche Aussagen in die Welt setzen, merkt man schnell, dass sie keine Ahnung von der Sprache haben. Meistens haben sie sich mit PHP4 von der Sprache getrennt und seitdem auch nichts mehr davon wissen wollen. Das PHP5 eine vollwertige, und damit auch Enterprise taugliche, objektorientierte Programmiersprache geworden ist ging komplett an ihnen vorbei. Die Sprache ist also nicht das Problem, dafür aber manchmal die Entwickler, die sich vielleicht anfänglich nicht so viele Architekturgedanken machen, wie es sich vielleicht andere machen. Aber genau dieses ändert sich im Moment. PHP und die Community ist für mich erwachsen geworden und ich bin froh ein Teil davon zu sein.

Du beschäftigst dich stark mit dem Thema OOP, ein Bereich den viele alteingesessene PHP-Programmierer nach wie vor ignorieren, hast du noch Hoffnung für diese? Ist PHP ohne OOP überhaupt vorstellbar?

Ich liebe die objektorientierte Programmierung. Ich glaube, das merkt man auch in meinen Artikeln. Für mich wäre PHP ohne OOP also nicht vorstellbar, weil ich einfach was vermissen würde. Das viele „alte Hasen“ das Thema ignorieren, glaube ich gar nicht mehr. Die Szene hat sich im letzten Jahr weiterentwickelt. PHP5 wird überall eingesetzt, Frameworks sind entstanden, moderne Tools aus der Softwaretechnik, wie z.B. phpUnderControl, phpUnit und pDepend, wurden entwickelt, die IDEs wurden um einiges besser. Schaut man sich eine Zeitschrift zum Thema PHP an, dann ist diese voll mit Pattern, best practices und Architekturtipps. Diese sind fast ausschließlich aus der objektorientierten Welt. Es wird also immer schwerer sich für der Realität zu verstecken und weiterhin im PHP4 Stil zu programmieren. Natürlich kann man es auch weiterhin ignorieren, aber ich glaube nicht, dass man sich damit einen Gefallen tut, wenn man der aktuellen Technik Jahre hinterherhinkt.

Der Blog beschäftigt sich auch mit zwei Themen, die sich im PHP-Umfeld noch nicht stark verbreitet haben: Qualitätssicherung und Entwurfsmuster. Wie kamst du auf diese Themen und wie ist die Resonanz der PHP-Programmierer?

Cover PHP Design Patterns
Cover PHP Design Patterns

Qualitätsmanagement hat mich schon immer interessiert. Einen besondere Fokus hat es natürlich, seitdem ich das hauptberuflich mache. Wenn man Webseiten betreut mit zusammengezählt über 20 Millionen Page Impressions am Tag, dann weiß man erstmal, was es bedeutet, wenn das System mal für einen Tag ausfällt. Da geht es wirklich um Geld und Qualitätssicherung ist dort lebenswichtig. Ich könnte zum Beispiel selbst nicht mehr ohne Unit Testing programmieren, dazu habe ich schon zu häufig mit Nebeneffekten von Coderefactorings kämpfen müssen.
Entwurfsmuster ist einfach ein Thema, dass leider bis vor kurzen noch ein wenig stiefmütterlich betrachtet wurde. Stephan Schmidt hat da mit seinem Buch schon gute Vorarbeit geleistet, aber ich wollte auch meinen Teil dazu beitragen. Im Endeffekt habe ich aber auch viel über Design Pattern geschrieben, weil ich mich selbst gerade in die Thematik eingearbeitet habe und mein Wissen festhalten wollte.
Was die Resonanz bei den Programmieren angeht, so glaube ich, dass sie wirklich gut ist. Themen zur Programmierung und dazu zähle ich auch die Entwurfsmuster erfreuen sich immer große Beliebtheit, das kann man ganz einfach an den Kommentaren sehen. Bald haben wir die Pattern der Gang of Four durch, dann müssen wir uns mal überlegen was dann kommt. Anti Pattern vielleicht.

Um dies noch zu toppen, gab es den „Akademischen Tag“ der mit einem sehr netten Beitrag zum Thema „O-Notation“ daher kam. Wie waren die Reaktionen auf diesen Vorstoß? Die meisten dürften das Thema seit ihrem Grundstudium nicht mehr angefasst haben!

Der akademische Tag sollte nicht nur ein Alleinstellungsmerkmal sein, sondern auch zeigen, dass die PHP Gemeinde keineswegs nur aus Skript-Kiddies besteht. Natürlich sollen trotzdem die Themen im Vordergrund stehen. Ich halte eine solide Grundausbildung für sehr wichtig. Das muss kein Studium sein, heißt ja schließlich auch GrundAUSBILDUNG. Wer aber keine Ahnung von der Therorie hat, dem fehlt einfach etwas. Auch wenn Themen wie O-Notation oder Graphentheorie erstmal kaum einen sichtbaren Bezug zur täglichen Arbeit haben, so kann einem das Wissen um Komplexität doch sehr hilfreich sein und wenn es nur darum geht die gleiche Sprache in Diskussionen zu sprechen.
Was mir besonders gut an dem akademischen Tag gefällt, ist, dass ich nochmal mit Wissen konfrontiert werde, was ich im Studium auswendig gelernt habe, ohne es wirklich zu verstehen. Zumindest war es bei einigen Themen so. Jetzt da ich im Berufsleben stehe, sehe ich die Themen ganz anders und finde jetzt meine eigenen praxisnahen Punkte, wo ich es anwenden kann. Die meisten Punkte sind nämlich gar nicht so theoretisch, wie man anfänglich denkt.

Wie soll es mit phphatesme.com weiter gehen? Der neue Bereich „Vorträge“ scheint ja sehr gut angenommen zu werden, womit kann man in der Zukunft noch rechnen?

Ich habe ein kleines schwarzes Buch, in das ich meine Ideen eintrage. Das Buch ist fast voll. Ideen sind also genügend da. Was Themen angeht, über die wir schreiben können, mache ich mir keine Sorgen, das wird wohl noch eine Weile so funktionieren. Neue Features gibt es ja andauernd. Zum Beispiel haben wir seit letzem Samstag die Links der Woche im Angebot. Viele Ideen, die ich habe verpacke ich auch erst mal in eine „Projektwerkstatt„, wenn sie dann gut ankommen, werden sie auch umgesetzt.
Was ich aber noch auf meiner „Lebens-ToDo-Liste“ steht, ist ein Buch zu schreiben. Natürlich wird es sich dabei um eine PHP Buch handeln, aber dazu fehlt mir momentan noch ein wenig die Zeit.

Derzeit gibt es viele Diskussionen darüber, dass PHP kein Konzept für die Zukunft hat. Wo siehst du PHP in einigen Jahren, und was erwartest du von der Version 6.0

Ich sehe in der Zukunft von PHP ganz stark die Community. Es werden immer mehr Frameworks entstehen und damit hoffentlich auch bald eine Standard Bibliothek, die mit der Java API konkurrieren kann. Damit wäre ich schon mal sehr glücklich. Aber ich denke, da sind wir auf dem richtigen Weg.
PHP 6 wird wohl noch eine Weile auf sich warten lassen, das ist aber auch ok so, denn PHP hat jetzt schon alle Features, die es einem erlauben das ganze selbst in die Hand zu nehmen. Die neuste Version von PHP soll aber zwei Features mitbringen, auf die ich mich sehr freue. Typehints für Rückgabewerte und traits. Ob die zwei Dinge wirklich kommen, weiß ich nicht. Wäre aber schade wenn nicht. Bis jetzt habe ich aber leider noch nicht mal die Zeit gefunden mich mit PHP 5.3 auseinander zu setzen, das kommt aber bestimmt noch, bevor PHP6 raus kommt.

Zum Abschluss noch eine Frage von religiösem Ausmaß: Welche IDE verwendest du für die PHP-Programmierung auf welchem Betriebssystem, und warum?

So religiös ist das bei mir gar nicht. Ich verwende PDT und bin damit sehr glücklich. Ich könnte aber auch mit Netbeans arbeiten. Was mir nur wichtig ist, ist dass mein Team, mit dem ich zusammenarbeite eine homogene Toollandschaft hat. Es sollten also alle die gleiche IDE verwenden. So geht kein Know How verloren und jeder kann den anderen unterstützen bei IDE Fragen.
Was mein Betriebssystem angeht, kann ich ganz klar sagen: Windows und Linux. Ich habe mein Eclipse unter Windows XP laufen, mein Webserver und PHP laufen aber unter einer standardisierten Linux VM-Ware. So kann ich meine Einstellungen überall mit hinnehmen. Die Linux VM-Ware ist übrigens auch ein angedachtes Feature für unseren Blog. Wir wollen eine Linux Version bereitstellen, die bereits PHP 5.3, phpUnit, php_CodeSniffer, pDepends und und und vorinstalliert hat. Dann hat man eine voll funktionsfähige Entwicklungsumgebung out-of-the-box. Dort ist es dann auch einfacher Support anzubieten, falls ein Leser mal wieder eine Frage hat.

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3 Antworten auf „Interview mit Nils Langner von phphatesme.com“

  1. „Viele Dinge, die ich an Java und vielen anderen objektorientierten Programmiersprachen liebe, findet man in PHP wieder, deswegen ist dies auch die Sprache meiner Wahl geworden.“

    Genau so sehe ich das auch. PHP bietet hier alle wichtigen Features aus der objektorientierten Welt, aber eben ohne dem Overhead.

    Klasse Interview, sehr interessant!

    Viele Grüße
    Tobi

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